Das sollten Sie über SSD Festplatten wissen

Es ist nicht immer leicht mit den neuen Computern – obwohl moderne Rechner unzählige Rechenkerne mit beeindruckenden Taktraten ansprechen, über irrwitzige Mengen Arbeitsspeicher verfügen und auch in allen anderen Punkten nach pfeilschnellen Topmaschinen klingen, fühlt sich das Arbeiten mit vielen Rechnern nicht schneller an, als vor zehn Jahren.

Kein Wunder, eine der Handbremsen verbleibt oft im Rechner: Festplatten liefern fast schon anachronistisch schlechte Übertragungsraten und verlangsamen die tägliche Arbeit mit ihren hohen Zugriffszeiten. Zwar bieten Festplatten angenehm große Kapazitäten, dafür hängen sie mittlerweile bei der Geschwindigkeit weit hinter allen anderen Komponenten im PC hinterher. Zeit also, eine neue Technik zu nutzen: Solid-State-Drives.

Vorteile von SSD-Festplatten

SSDs arbeiten mit sehr hohen Übertragungsraten von bis zu 550 Megabyte pro Sekunde und sind so in der Lage, auch große Datenmengen in kurzer Zeit zu übertragen. Doch die im Vergleich zu einer Festplatte knapp vier- bis fünfmal so hohe Übertragungsgeschwindigkeit ist nicht der größte Vorteil einer SSD – dieser liegt in der sehr guten Zugriffszeit auf einzelne Daten. Muss bei einer Festplatte für den Zugriff auf eine bestimmte Datei noch der Lesekopf über rotierenden Magnetscheiben positioniert werden – was unter anderem für die typischen Festplattengeräusche sorgt – können SSDs auf jedes gespeicherte Bit quasi ohne Verzögerung zugreifen. Möglich macht es der interne Aufbau aus schnellen Flash-Speichern, wie sie auch in USB-Sticks oder Speicherkarten eingesetzt werden. Diese niedrigen Zugriffszeiten prädestinieren eine SSD-Festplatte als Systemlaufwerk für das Betriebssystem, da hier viele kleine Dateien, die sich zudem oft quer über das Laufwerk verteilt befinden, gelesen werden müssen. Auch Datenbankanwendungen profitieren davon stark.

Für den Einsatz als Systempartition reichen Solid-State-Drives mit Kapazitäten von 64 Gigabyte – selbst Windows 7 passt problemlos auf eine solche SSD und es bleibt auch noch Platz für einige oft genutzte Anwendungen. Größere Datenmengen wie Fotos, Musik oder Filmsammlungen sollten hingegen weiterhin auf einer herkömmlichen Festplatte gespeichert bleiben. Der Start eines Filmes wird durch eine SSD nicht beschleunigt – und selbst wenn, würde es sich um unmerkbare Sekundenbruchteile handeln – während die Datei viel Speicherplatz einnimmt. Und Speicherplatz ist auf SSDs knapp, sind Laufwerke mit großen Kapazitäten doch noch sehr teuer.

Perfekt ist also der Mischbetrieb mit einer Festplatte als „Datenlager“. Auf der Festplatten können auch gerne Computerspiele gespeichert sein, denn auch diese profitieren nur wenig von einer SSD, benötigen aber viel Speicherplatz. Dafür fühlt sich Windows auf einem Solid-State-Drive umso wohler und der Rechner bootet mit einer SSD-Startpartition in wenigen Sekunden und fühlt sich unerwartet schnell an.

  • Stoßfester als herkömmliche Festplatten
  • keine beweglichen Teile oder Mechanik
  • leiser als normale Festplatten
  • größere Temperaturtoleranz als HDDs
  • sehr geringe Zugriffszeiten und Latenzen
  • hohe Lesegeschwindigkeit
  • hohe Schreibgeschwindigkeit
  • niedrigerer Stromverbrauch als HDDs im „idle“-Modus
  • geringere Abmessungen

Nachteile von SSD-Festplatten

So praktisch die modernen Flash-Laufwerke auch sind, gibt es doch immer wieder negative Berichte über mangelhafte Haltbarkeit, Abstürze und Datenverluste. Es stimmt, dass die Speicherzellen einer SSD nur eine gewisse Menge an Schreibzyklen verarbeiten können – ist dieses Maximum erreicht, ist die Speicherzelle nicht mehr nutzbar. Damit ist aber nicht die komplette SSD unbrauchbar, die Hersteller halten in vielen Fällen Speicher zurück, um defekte Zellen so zu kompensieren. Viele SSDs mit 90 Gigabyte Kapazität verfügen eigentlich über 128 Gigabyte, der Rest ist Reserverspeicher. In Verbindung mit intelligenten „Wear-Levelling“-Funktionen werden zudem möglichst oft unterschiedliche Speicherzellen genutzt, so dass eine SSD problemlos über viele Jahre funktionieren wird.

Mittlerweile hat sich die neue Technologie zu einer der beliebtesten Komponenten für neue PCs und Notebooks entwickelt. Dabei existiert eine fast unüberschaubare Vielfalt verschiedener Modelle. Fast jeder namhafte Hersteller bietet gleich mehrere Laufwerke an – und die meisten SSDs unterscheiden sich auf den ersten Blick nur minimal. Dennoch gibt es teilweise extreme Unterschiede zwischen den Laufwerken, auch wenn beispielsweise die beworbenen Übertragungsgeschwindigkeiten fast übereinstimmen.

  • auch in 2012 noch teurer als herkömmliche Festplatten
  • geringere Speicherkapazitäten
  • geringere Auswahl an Herstellern
  • begrenzte Anzahl an Schreibzyklen

 

Anbieter von SSD-Festplatten

Intel

Einer der größten Hersteller von Flashspeichern und mittlerweile auch von SSDs ist der Prozessorgigant Intel. Mit den Serien X25, SSD 320, SSD 510 und SSD 710 bietet der Hersteller Laufwerke mit hauseigenen Speicherchips an. Besonders punkten können die SSDs durch ihre hohe Zuverlässigkeit, die sie unter anderem auch für den Unternehmenseinsatz prädestiniert. Zwar liegen die Übertragungsraten der Intel-SSDs oft nur im Mittelfeld, der Unterschied zu schnelleren Laufwerken ist im Alltag aber nur selten festzustellen. Zudem bietet Intel seine Laufwerke nicht nur im klassischen Notebookformat 2,5 Zoll an sondern unter anderem auch als mSATA-Steckkarten für besonders schmale Notebooks.

 

Crucial

Einen sehr guten Ruf und zahlreiche Testgewinne konnte Crucial mit der M4 einfahren. Crucial setzt als Tochterfirma von Micron selbstverständlich auf Speicherzellen des Mutterunternehmens. Als Controller der M4 kommt ein Chip von Marvell zum Einsatz – dieser findet sich auch in einigen Intel-SSDs. Die M4 setzt auf die aktuelle SATA-6GB-Schnittstelle und reizt diese auch vollkommen aus – bis zu 550 Megabyte pro Sekunde liest und schreibt die SSD problemlos. Durch Updates der Laufwerksfirmware konnte der Hersteller die Leistung jüngst auf diesen Maximalwert steigern, noch höhere Übertragungsraten lässt die SATA-Schnittstelle nicht mehr zu. Die Crucial M4 gilt nicht nur als pfeilschnelle sondern auch als zuverlässige und bezahlbare SSD und wird in Kapazitäten zwischen 60 und 500 Gigabyte angeboten.

 

Sandforce

Eine Sonderstellung bei den SSDs nehmen die Controllerchips der Firma Sandforce ein. Diese erreichen ihre hohen Geschwindigkeiten durch eine interne Datenkompression. Zwar lassen sich mit hoher Geschwindigkeit nur komprimierbare Daten speichern (komprimierte Archive oder MP3-Dateien lassen die Datenrate einbrechen), dafür agieren die Sandforce-bestückten Laufwerke als Betriebssystem-Platten angenehm flott. Besonders bekannt unter den Sandforce-Modellen sind unter anderem die SSDNow-Laufwerke von Kingston. Die SSDNow V+200 setzt dabei auf den Sandforce SF-2281 und Speicherkapazitäten von 60 bis 480 Gigabyte. Der SF-2281 ist für SATA-6GB ausgelegt, dass die SSDNow V+200 bis zu 535 Megabyte pro Sekunde lesen und bis zu 480 Megabyte pro Sekunde schreiben kann. Interessant ist neben der guten Geschwindigkeit auch der vergleichsweise niedrige Preis der Laufwerke. Zusätzlich stattet Kingston viele V+200 mit Einbaurahmen für den Einsatz im Desktoprechner aus. Ebenfalls auf den Sandforce SF-2281 setzt der Speicherhersteller Corsair bei den Laufwerken der Force-GT-Serie. Entsprechend liegen die Leistungswerte hier auf vergleichbarem Niveau wie bei Kingstons SSDNow-Laufwerken.

 

OCZ

Einen sehr guten Ruf unter SSD-Fans hat sich der Hersteller OCZ machen können. So bietet OCZ mit den Agility 3 und den Vertex 3 SSDs nicht nur bezahlbare SSDs auf Basis des populären Sandforce-Controllers an, sondern mit den Revodrives auch eher ungewöhnliche Modelle mit PCI-Express-Schnittstelle. Auch das OCZ RevoDrive setzt auf Sandforce-Controller, bündelt hier zwecks höherer Geschwindigkeit aber gleich mehrere Controller zu einem internen RAID-Verbund. So erreicht ein RevoDrive, auch weil es nicht durch die SATA-Schnittstelle gebremst wird, Übertragungsraten von mehr als 1500 Megabyte pro Sekunde – so schnell war vor einigen Jahre nicht einmal der Arbeitsspeicher eines Computers. Kein Wunder, dass das RevoDrive fast alle Benchmarkbalken der Testmagazine anführt. Der Preis dieser Steckkarten ist allerdings eher nicht alltagstauglich.

Auffällig: Nur wenige Hersteller klassischer Festplatten produzieren auch Solid-State-Drives. Einer der bekannteren Festplattenproduzenten war Samsung, welche ihre Festplattenfertigung aber jüngst an Seagate verkauften. Samsung konzentriert sich offenbar lieber auf den SSD-Markt – nicht dumm, da Samsung auch einer der größten Hersteller von Flash-Speichermodulen ist. Die hauseigenen Modelle namens SSD 830 jedenfalls beweisen hohe Leistungen und gute Zuverlässigkeit. Zum Einsatz kommt ein selbst entwickelter Controllerchips und eher ungewöhnlicher Toggle-DDR-Speicher aus eigener Fertigung. Die Leistungswerte liegen mit Lesegeschwindigkeiten von bis zu 550 Megabyte pro Sekunde auf sehr hohem Niveau, die Alltagsleistung überzeugt in jeder Situation. Praktisch ist zudem die geringe Bauhöhe der SSD 830 von nur 7,5 mm, so dass sich die Speicherträger auch in sehr schmale Notebooks einbauen lassen. Dank guter Leistungen, zuverlässiger Funktionsweise und sinnvoller Softwarebeilagen überzeugt die SSD 830 daher in zahlreichen Tests und wird unter anderem von der PCGames Hardware empfohlen.

Kommentare sind geschlossen.